Dienstag, 15. März 2016

Meine Schwangerschaft

Hallo ihr Lieben,

lange ist es her, sehr lange und so viel ist passiert, ich bin Mama geworden und Nichts ist mehr wie es war.
Unfassbare sechs Wochen ist unser Baby heute alt und eigentlich hätten wir heute Entbindungstermin.
Mir ist gerade danach einen sehr persönlichen Post zu verfassen, bevor es hier weiter geht, denn das wird es, nur anders wahrscheinlich.


Die sozialen Netzwerke scheinen voll von aktiven, hübschen Schwangeren, Neumamis und zuckersüßen Babys, wenn man das so sieht scheint es als wäre das einfach eine Entscheidungssache "Wir wollen ein Baby, also machen wir jetzt eins und schwupps schwanger, das niedlichste, gesündeste Baby der Welt, das durchschläft und alles ist wunderbar!"
So erschien es mir oft genug während unserer Kinderwunschzeit und ich bin mir ziemlich sicher da kein Einzelfall zu sein, nur drüber reden oder schreiben, das tun die Wenigsten und auch ich habe es bisher hier nur angedeutet.
Aber hey, neben mir liegt ein süßes kleines Baby und jeder der gerade auf dem Weg dorthin verzweifelt und den die perfekten Schwangerschaften bei Instagram und Co. runterziehen, der sollte doch wissen das er nicht allein ist und Alles gut werden kann.


Ich hatte einen seeehr langen und unregelmäßigen Zyklus, Eisprünge um Zyklustag 50-60 waren keine Seltenheit, konnten aber genauso an Tag 30 vorkommen.
Ich sags euch, sowas ist zermürbend, am Anfang weiß man es ja noch nicht, dann hofft man natürlich und irgendwann ist man an einem Punkt wo das ganze die Lockerheit verliert.
Denn wenn es nicht halbwegs regelmäßig läuft, dann kommen sie irgendwann, die Arztbesuche, Temperatur messen und Ovulationstests und wenn man dann fast zwei Monate auf einen Eisprung wartet will man ihn auch "nutzen", alles andere als romantisch wird es mit der Zeit.
Das Alles kostet Zeit, Nerven und man braucht einen Partner an seiner Seite der hinter einem steht und einen trotzdem manchmal auf den Boden zurück holt.
Es war also nicht einfach schwanger zu werden und es war auch emotional eine schwere Zeit, auf diesem Wege mussten wir auch ein Minibaby ziehen lassen, auch darüber spricht kaum Einer, dabei betrifft es so viele und mir hat darüber reden geholfen.
Ich war vor der Schwangerschaft mit Moritz also schonmal kurz schwanger, da schlug ein kleines Herzchen und ich war so froh die anstrengende Kinderwunschzeit abhaken zu können.
Aber es sollte nicht sein und es war furchtbar schlimm und dennoch bin ich mittlerweile der Meinung es sollte so sein, sonst würde jetzt nicht dieser wunderbare kleine Junge neben mir liegen.


Wir machten also weiter und dann am 7.7.2015, als ich definitiv nicht damit gerechnet habe und nur getestet um das Progesteron abzusetzen damit die Periode kommt, genau da sagte der Test "schwanger".
Ich nahm also weiter Progesteron und ASS100, das nahm ich schon seit der Fehlgeburt, denn danach wurde bei mir eine Blutgerinnungsstörung festgestellt.
In der 8. Woche sahen wir dann ein Herzchen schlagen, von da an spritzte ich noch täglich Clexane und muss dies auch noch das ganze Wochenbett lang.
Die Freude war groß, die Angst genauso, ich wollte alles anders machen und hatte schon in der 6. Woche die Spieluhr für unser "Babylein" gekauft, ich wollte an dieses Kind glauben, ich wollte das diesmal alles gut wird.
Die ersten 12. Wochen hatte ich große Angst, trotz komplikationslosem Schwangerschaftsverlauf und guter Entwicklung, ich machte wöchentlich Bauchbilder und jede Woche durfte etwas fürs Babylein einziehen, einfach um zu glauben das alles gut wird.
In der 13. Woche dann sahen wir einen kleinen turnenden Minimensch am Ultraschall und von der 13. bis zur 15. Woche erlebte ich die wohl unbeschwerteste Zeit meiner Schwangerschaft.


In der 15. Woche hatte ich dann eine Schmierblutung, der Arzt im Krankenhaus fand keine Ursache, sah nur ein gesundes Baby im Ultraschall, trotzdem war die Angst wieder da.
In der 18. Woche bekam ich auf der Toilette eine starke Blutung, wir fuhren sofort zu meiner Ärztin, zum Glück habe ich mein Baby ab der 17. Woche regelmäßig gespürt, auch auf der Fahrt zum Arzt.
Dort gab es Entwarnung, eine Ektopie am Muttermund verursachte die Blutung, harmlos aber das könnte jetzt öfter vorkommen, zu dieser Zeit war mein Gebärmutterhals 4cm lang.
Eine Woche später in der 19. Woche hatte ich dann zum ersten Mal Wehen, wir fuhren in´s Krankenhaus, der Gebärmutterhals hatte nur noch 3cm, eigentlich nicht bedenklich wäre er nicht eine Woche vorher noch 1cm länger gewesen.
Wir gingen nach Hause, denn man würde noch nichts tun um die Schwangerschaft zu halten, das sagte uns die Ärztin ziemlich klar und unheimlich hart zu hören.
Ich hatte nun täglich Wehen, zum Teil normale Übungswehen, zum Teil wohl welche mit Auswirkungen.


In der 23. Schwangerschaftswoche lag ich dann mit Gebärmutterhalsverkürzung und Wehen mit Bettruhe für drei Tage im Krankenhaus, mehr machte man dort noch immer nicht, wäre es nur eine Woche später gewesen hätte man alles getan, nicht schön zu hören das niemand dem so aktiven Babylein helfen würde.
Noch fünf Tage vorher hatte der Kleine doch bei der Feindiagnostik so toll abgeschnitten und trotzdem würde man einfach nichts tun um ihn aufzuhalten oder ihm zu helfen, dieses Wissen tut verdammt weh.
Nach drei Tagen ging es dann mit absoluter Schonung nach Hause wo ich mein Dasein auf dem Sofa fristete und mich von einer Gebärmutterhalsmessung zur nächsten hangelte, von Woche zu Woche.
Der Gebärmutterhals schwankte zu dieser Zeit zwischen 2,5cm und 3cm, Wehen immer vorhanden.


Am 21.12. mittlerweile in der 30. SSW hatte ich wieder einen Kontrolltermin und eigentlich ein gutes Gefühl, dann der Schock, ich wurde mit 1,8cm Gebärmutterhals in´s Krankenhaus eingewiesen, ich bekam die Lungenreife und Wehenhemmer per Tropf, das CTG zeigte deutlich Wehen.
Zwölf Tage blieb ich im Klinikum, zwei Versuche den Wehenhemmer abzusetzen scheiterten, ich verbrachte Weihnachten und Silvester im Krankenhaus.
An Neujahr wurde ich entlassen, mit 2,3cm Gebärmutterhals und kaum Wehen.


Zu Hause hütete ich weiter streng liegend das Bett und Sofa, wo ich mich ja schon seit der 23. Woche aufhielt.
Ich wurde wöchentlich kontrolliert und hangelte mich weiterhin von Tag zu Tag und Woche zu Woche, man setzt sich Ziele, will immer weiter, das Baby soll doch den besten Start haben der geht, man möchte nicht das es medizinisch versorgt werden muss, dads es leidet, man möchte nach der Entbindung ein gesundes Baby mit nach Hause nehmen.
Ich habe seit der ersten Wehen und den Blutungen tierische Ängste ausgestanden, unvorstellbare Ängste.


Dann kam die 34+0 näher, ein großes Etappenziel, ich begann an die 37+0 zu glauben, da wäre er kein Frühchen mehr.
Dann, ganz unerwartet morgens zwei Tage vor 34+0 verlor ich morgens meinen Schleimpfropf (natürlich mal wieder am Wochenende) also ab ins Krankenhaus...
Wehen, noch weiter verkürzter Gebärmutterhals, die Lungenreife wurde aufgefrischt und ich kam nochmal bis 34+0 an den Wehenhemmer, danach würde man mein Baby nicht mehr aufhalten.
Da wurde dann auch pünktlich abgesetzt und ich sollte am nächsten Tag nach Hause gehen und dort warten das es los geht, die Prognosen von Ärzten und Hebammen reichten von einem Tag bis ein paar Wochen, aber unser Junge hatte es eilig und so platzte mir noch abends in der Klinikdusche die Fruchtblase und 4 Stunden später war unser kleines, perfektes Baby da.


Einen Geburtsbericht mag ich (noch) nicht schreiben, die Geburt an sich war schmerzhaft aber zu verkraften, danach kam für mich ein ziemliches Martyrium mit noch zwei Operationen und ziemlich mieser Behandlung durch das Personal der normalen Gyn Station, daran habe ich noch heute stark zu knabbern.

Der kleine Moritz musste noch 12 Tage auf der Neo bleiben bis er seine Mahlzeiten schaffte, er musste nie beatmet werden und es ging ihm immer gut, er macht täglich Fortschritte und man merkt ihm seinen frühen Start nicht an.
Mit 49cm und 2490g ist er lang und dünn und ich kann mir kein schöneres Baby vorstellen.
Es hat sich alles gelohnt, die schwere und traurige Kinderwunschzeit, alle Medikamente, Ängste und Sorgen, die Verluste, über 10 Wochen zu liegen, das Alles war Er absolut wert und ich war gerne schwanger!
Ich habe meinen Bauch geliebt, ich habe seine Bewegungen darin geliebt, ich war trotz Allem wirklich gerne schwanger und traurig mich nicht richtig vom Bauch zu verabschieden.
Ich habe mich geärgert über Schwangere die sich über Kleinigkeiten beschwerten, über Luxusprobleme, ich hätte jedes Kotzen, jedes Sodbrennen, jeden schmerzenden Rücken usw. gern getauscht gegen Wehen, Gebärmutterhalsverkürzung und der ständigen Angst um das kleine geliebte Baby im Bauch.


Ich hoffe einfach der Ein oder Anderen von Euch macht dieser Post Mut, egal welcher Weg nötig ist, es lohnt sich und nicht jeder hat es leicht auf dem Weg zum Baby, zum Glück leben wir aber in einer Zeit in der auch schon verdammt viel möglich ist, angefangen mit Kleinigkeiten um etwas anzustupsen bis hin zu größeren Hilfsmitteln.
Man darf nicht aufgeben, man darf aber auch Angst haben und traurig sein, das Alles gehört dazu und wird zum Glück in den meisten Fällen belohnt.